25.07.2017
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Landkreis Nürnberger Land

07/11/17

Wie gelingt Integration in der Kommune?

NÜRNBERGER LAND (lra) – Siebzehn Teilnehmer – der Großteil ehrenamtliche Helfer in der Flüchtlings- und Asylarbeit - begrüßte Kerstin Stocker, Leiterin des WinWin-Freiwilligenzentrums, zu einem Tagesseminar am Landratsamt mit dem Titel „Wie kann Integration in der Kommune gelingen?“. Sie dankte der Seniorenakademie Bayern für die Stellung des Referenten Jürgen Griesbeck. Auch Landrat Armin Kroder stattete dem Seminar einen kurzen Besuch ab und zollte der Gruppe seinen Respekt und seine Anerkennung. Er bot seine Unterstützung an und betonte, dass er die konstruktiven Hinweise der Ehrenamtlichen aus deren täglichem Tun gerne aufnehme und berücksichtige. Auch wenn sie über den Handlungsrahmen des Landratsamtes hinausgingen, sei er gerne bereit, sie an entsprechende politische Stellen weiterzutragen.

 

Referent und Seminarleiter Jürgen Griesbeck, seit vielen Jahren in einer Unternehmensberatung und als Coach tätig und zugleich Leiter der Seniorenakadamie am Sozialministerium in München, versprach eingangs allen Teilnehmern ein praxisorientiertes und auf sie zugeschnittenes Format. Daher lautete seine erste Frage auch gleich, mit welchen Erwartungen und Wünschen die Teilnehmer gekommen waren. Hier kristallisierten sich schnell einige Themen heraus, wie zum Beispiel der Wunsch nach fachlichem Input aber auch nach Austausch, der Wunsch nach Klärung der unsicheren Lage vieler Geflüchteter bis hin zu Unzufriedenheit mit schwierigen politischen Rahmenbedingungen. Griesbeck verdichtete die Informationen, die ihm die Teilnehmer vorgaben, zu den drei Themenkomplexen „Wege guter Öffentlichkeitsarbeit“, „Erfahrungsaustausch: Was läuft gut – was müsste besser laufen?“ sowie „Wie gehe ich mit Unsicherheit um?“.

 

In rotierenden Kleingruppen erarbeiteten dann alle Teilnehmer an Thementischen gemeinsam Möglichkeiten und Grenzen, Chancen und Risiken. Schließlich stellte Griesbeck die Ergebnisse dem Plenum vor und gab seinen Input dazu in Form von hilfreichen Hintergrundinformationen, Impulsen, Anregungen und vielen Tipps.

Öffentlichkeitsarbeit sei zunächst so wichtig, um positive Geschichten zu erzählen, die es durchaus gebe. Denn diese zeigen den Erfolg der ehrenamtlichen Arbeit und seien ein Motivationsfaktor. Zudem locken vor allem positive Nachrichten neue Freiwillige. Und diese werden weiterhin dringend gesucht. Auch verschiedene Kommunikationskanäle müssten bedient werden, um möglichst viele Menschen zu erreichen.

 

Zweiter Faktor sei eine umfangreiche Vernetzung aller Akteure innerhalb einer Kommune, aber auch zwischen den Kommunen, um Bewährtes auszutauschen und gute Ideen weiterzutragen. Integration sei auch nicht die Aufgabe der Ehrenamtlichen alleine, sondern erfordere Kooperationspartner auf allen Ebenen. So sollten Rathäuser und Verwaltungen, hauptamtliche Stellen, Kirchen, Sozialverbände, Schulen, Kitas, Vereine, Initiativen und auch Unternehmen vor Ort eingebunden und als Partner gewonnen werden. Dies sei nötig, um Integration zum Thema aller zu machen. Weiterhin müssten die hauptamtlichen Strukturen weiter professionalisiert werden und elastische Angebote geschaffen werden, die die aktuelle Lage der Geflüchteten berücksichtige.

 

Beim Themenkomplex „Umgang mit Unsicherheit“ gab Griesbeck den Teilnehmern schließlich mit auf den Weg, nicht die Welt verbessern zu wollen. Denn dies seien utopische Ziele und Frustration sei vorprogrammiert. Es sei wichtig, kleine Schritte zu gehen und jeden einzelnen auch als Erfolg zu verbuchen. Jedes positive Erlebnis, welches ein Geflüchteter habe, nehme dieser mit und sei daher auf keinen Fall verloren. Ebenso sei es unvermeidbar, Geflüchteten ihre Perspektiven realistisch aufzuzeigen. Es sei wichtig, den aktuellen Entwicklungen zu folgen und sich über die kulturellen Hintergründe der Geflüchteten zu informieren, um sie besser zu verstehen. Den Ehrenamtlichen empfahl er, sich abgegrenzten Aufgaben zu widmen, persönliche Grenzen zu ziehen, diese wahrzunehmen und anzuerkennen. Nur so könne Überlastung und Frustration vermieden werden. Unterschieden werden müsse auch zwischen ehrenamtlicher Flüchtlingsarbeit vor Ort, die durchaus positiv gestaltbar sei, und dem Wunsch, politische Rahmenbedingungen ändern zu wollen. Letztere seien nicht in der täglichen Flüchtlingsarbeit leistbar, sondern nur über ein politisches Engagement.

Griesbeck betonte, dass er allen Engagierten großen Respekt entgegenbringe. Er machte ihnen ausdrücklich Mut mit seinen Worten: „Scheitern ist immer erlaubt. Suchen Sie sich eine abgrenzbare Aufgabe. Nehmen Sie sich ruhig auch einmal heraus. Wir haben nur das eine Leben! Tun Sie das, was Ihnen Spaß macht und nur dort, wo Sie etwas bewegen können.“

 

Das WinWin-Freiwilligenzentrum des Landratsamts unterstützt und berät ehrenamtlich Engagierte und Organisationen, die mit Ehrenamtlichen arbeiten. Auch die Koordination der ehrenamtlichen Asyl- und Integrationsarbeit im Landkreis wird von dort aus organisiert. Nähere Informationen gibt es im Internet unter: landkreis.nuernberger-land.de, > Freiwilligenzentrum. (Foto: A. Gramlich)