22.08.2019
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Landkreis Nürnberger Land

04/24/19

Hochleistungstrasse unerwünscht – Treffen der Gegner der P44 und P44mod am Landratsamt

N-Ergie-Referent Stefan Lochmüller, Landrat Armin Kroder, Bürgermeisterin Martina Baumann und Dörte Hamann, Sprecherin des Aktionsbündnisses gegen die Südosttrasse (v. l. n. r.). Foto: Iris Bitzigeio

NÜRNBERGER LAND (lra) – Noch immer ist unklar, ob die umstrittene Hochleistungsstromtrasse P44mod gebaut werden soll und wenn ja, wo sie verlaufen wird. Klar hingegen ist, dass in den eventuell betroffenen Regionen etliche Menschen, Politiker wie Bürger, entschieden gegen das Projekt sind. Landrat Armin Kroder und Martina Baumann, Erste Bürgermeisterin von Neunkirchen am Sand, initiierten ein Treffen mit Bundes- und Landtagsabgeordneten, Landräten, Bürgermeistern und Vertretern der Bürgerinitiativen, um die Kräfte zu bündeln.

 

„Wir sind keine schlichten Dagegen-Menschen – wir wollen das Thema sachorientiert angehen“, eröffnet Landrat Armin Kroder die Sitzung im Landratsamt in Lauf. „Aber einen Ausbau der Trassen halten wir – und wir haben uns eingehend mit dem Thema beschäftigt – nicht für sinnvoll.“ Mit ihm in der Reihe der Redner sitzen Martina Baumann, die mit dem Landrat zu dem Treffen aufrief, Stefan Lochmüller, Referent des Energieversorgers N-Ergie aus Nürnberg, und Dörte Hamann, die Sprecherin des Aktionsbündnisses gegen die Südosttrasse. Sie kommen alle aus verschiedenen Parteien, Gewerben und Denk-Richtungen und tragen die Informationen zusammen, die ihnen vorliegen, um sich mit vereinten Kräften gegen die P44mod zu stemmen. Hinter dem nüchternen Namen steckt ein Projekt, bei dem bestehende Stromtrassen zu sogenannten Hochleistungstrassen ausgebaut werden sollen. Die derzeitigen Trassen, die üblicherweise eine Spannung von 110 Volt aufweisen, sollen auf 380 Volt aufgerüstet, die neuen Masten bis zu 75 Meter hoch werden. Welchen geographischen Verlauf die Ausbautrasse nimmt und ob sie überhaupt gebaut werden soll, und wenn ja, wann – dazu sind keine handfesten Informationen zu bekommen, weder aus den Bundes- noch aus den Landesministerien. Mal heißt es, das Projekt sei vom Tisch, dann wieder, dass es doch noch diskutiert werde. Baumann gibt in ihrem Eröffnungsstatement einen Überblick über die inkonsistente Informationsvergabe. Eines allerdings steht inzwischen fest: Die Bundesregierung hat das Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) verabschiedet, das die Trassen einfordert und das Kommen von P44mod wahrscheinlicher macht.

 

Die P44mod weckt vielfältige Befürchtungen: Erstens könnte die Trasse zu nah an Wohnhäusern entlangführen oder gar welche überspannen. Die Bürgerinitiativen sehen darin massive Gesundheitsrisiken: Die Nähe zur Hochspannung fördere Krebs und Asthma. Im Gesetz ist allerdings kein Mindestabstand zwischen Trassen und Häusern vorgeschrieben, es könnten sogar Trassen, die sich derzeit mitten in Ortschaften befinden, aufgerüstet werden. Zweitens könnte die Trasse je nach Streckenverlauf in Naturschutzgebiete eingreifen. Drittens sieht es aktuell so aus, als würden die Kosten des Ausbaus – bis dato belaufen sich die aktuellen Schätzungen auf über 60 Milliarden – auf den Endverbraucher umgelegt. „Dieses Geld sollte besser in die dezentrale Energieversorgung gesteckt werden“, fordert Lochmüller, Referent der N-Ergie. Das Argument, die P44mod werde gebraucht, um in Bayern die durchgängige Versorgung mit Strom zu gewährleisten, sei so nicht richtig, und es stimme nicht, dass sie für die Energiewende und den Klimaschutz notwendig sei – in Wirklichkeit verhindere sie die Energiewende, weil sie den Anreiz nehme, sich dezentral auf regenerative Energien wie Wind, Wasser, Sonne und Biogas zu konzentrieren. Hier pflichtet FDP-Bundestagsabgeordneter Gerald Ullrich bei: „Die Trasse würde die Energiewende verhindern – und ist sie einmal da, bekommt man sie nie wieder weg.“ Dörte Hamann weist auf den jahrelangen Kampf der über 40 Bürgerinitiativen in ganz Bayern hin und bekräftigt Kroders einleitende Sätze: Ihr Protest sei gerechtfertigt und fundiert. „Wir wollen die Trasse weder hier noch woanders, wir wollen sie überhaupt nicht“, sagt Hamann.

 

Auch in anderen Landkreisen herrscht Unmut: Wolfgang Puff, Sachgebietsleiter für Kreis- und Infrastrukturentwicklung am Landratsamt Kronach, stellt den Bau neuer Leitungen grundsätzlich infrage. „Wir dürfen uns nicht gegeneinander ausspielen lassen, wir brauchen eine gemeinsame Strategie und eine Argumentation für Berlin“, fordert er. Die CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner, deren Wahlkreis die Landkreise Kulmbach, Lichtenfels und Bamberg umfasst, hält in einem schriftlichen Statement die Alternativen für kaum erklärbar, da sie die längsten und teuersten seien und die wenigsten Vorteile für die Netzeffizienz brächten. Landrat Sebastian Straubel aus dem Landkreis Coburg, der von beiden Varianten der Trasse, der P44 und der P44mod, betroffen wäre, stimmt seinen Vorrednern zu und lädt für den Herbst zu einem neuen Treffen nach Coburg ein.