12.07.2020
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Landkreis Nürnberger Land

01/27/20

Geschlechtergerechtigkeit: Landratsamt stellt Gleichstellungskonzept vor

Landrat Armin Kroder, Dr. Gesche Goldhammer, Leiterin der Abteilung Zentrale und Kommunale Aufgaben, und Gleichstellungsbeauftragte Anja Wirkner stellen das Gleichstellungskonzept 2019-2024 des Landkreises vor. Foto: I. Bitzigeio

NÜRNBERGER LAND (lra) – Die Gleichstellungsbeauftragte des Nürnberger Landes, Anja Wirkner, hat das Gleichstellungskonzept für die Jahre 2019 bis 2024 vorgestellt. Es enthält neben einer Analyse der Beschäftigtenstruktur am Landratsamt Ratschläge für die Arbeitnehmenden, und auch eine Auflistung bereits umgesetzter sowie geplanter Maßnahmen.

 

70 Jahre ist es her, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau im Grundgesetz festgeschrieben wurde. Von einer Chancengleichheit der Geschlechter kann aber noch längst nicht in allen Lebensbereichen die Rede sein, auch nicht in der Arbeitswelt – Stichwort Frauen in Führungspositionen. Die Gleichstellung in der freien Wirtschaft kann der Staat nur beschränkt fördern und beeinflussen, aber im öffentlichen Dienst kann er als Arbeitgeber mit gutem Beispiel vorangehen. Deswegen haben die Gleichstellungsbeauftragten ein wachsames Auge auf die Personalentwicklung und die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf und legen alle fünf Jahre das sogenannte Gleichstellungskonzept vor, das die Entwicklungen dokumentiert. Für das Nürnberger Land sehen die Erkenntnisse so aus:

 

Von den Beschäftigten des Landkreises sind rund 64 Prozent Frauen, aber mehr als die Hälfte aller Führungskräfte ist männlich. Grund dafür ist, dass nach wie vor überwiegend die Frauen familiäre Verpflichtungen oder die Pflege von Angehörigen übernehmen und einen Spagat zwischen diesen und den beruflichen Aufgaben bewältigen müssen. Das ist beim Arbeiten in Vollzeit – was mancherorts als Voraussetzung für eine Führungsposition angesehen wird – oft nicht machbar. Es ist bezeichnend, dass 65 Prozent aller Mitarbeiterinnen, aber nur 14 Prozent aller Mitarbeiter Teilzeit arbeiten. Um den Konflikt zwischen Karriere und Familie zu entschärfen, ist es im Landratsamt schon länger möglich, Führungspositionen auch in Teilzeit auszuüben.

 

Nicht nur bei den Frauen ist Handlungsbedarf: Angebote, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern sollen, wie in Teilzeit oder im Homeoffice zu arbeiten, richten sich natürlich auch an die Männer. Die nehmen sie aber bisher eher zögerlich wahr. Das LRA betont, dass Engagement im Familienleben kein Karrierehindernis darstellt und ermutigt beispielsweise junge Väter ausdrücklich, länger als die durchschnittlichen zwei Monate in Elternzeit zu gehen. Die Beschäftigten spüren diese Aufmerksamkeit des Arbeitgebers: Über 80 Prozent sind einer internen Umfrage zufolge mit der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zufrieden bis sehr zufrieden.

 

„Gleichstellung bedeutet, dass beide Geschlechter gleichgestellt werden und nicht eines besser oder schlechter dasteht. In einigen Bereichen müssen wir die Umstände für Frauen verbessern, in anderen die für Männer. Es gibt messbare Fortschritte und Erfolge, aber, wie immer, ist es noch lang nicht an der Zeit, die Anstrengungen einzustellen“, sagt Landrat Armin Kroder. In den unteren Besoldungsgruppen finden sich noch unverhältnismäßig viele Frauen, in Gremien unverhältnismäßig wenig. Beidem soll durch eine Sensibilisierung der Führungskräfte und Entscheidenden entgegengewirkt werden, Vorgesetzte sollen zum Beispiel gerade weibliche Mitarbeitende auf Fortbildungsmöglichkeiten hinweisen, die einen Aufstieg in eine besser bezahlte Stelle ermöglichen würden. In fünf Jahren, im Gleichstellungskonzept 2025-2030, wird man sehen, inwiefern die Maßnahmen gegriffen haben.