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Energieeinsparverordnung - EnEV -

Die seit 01.02.2002 geltende Energieeinsparverordnung (EnEV) soll den Energieverbrauch bei Gebäuden wesentlich reduzieren. Zusätzlich will die Verordnung auch einen wichtigen und langfristig wirkenden Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Hauptanforderungen der EnEV für Neubauten sind der Grenzwert für den Jahres-Primärenergiebedarf und den Transmissionswärmeverlust. Die größten Einsparpotentiale liegen jedoch beim Gebäudebestand!

Die wichtigsten Anforderungen an den Bestand und das Wirtschaftlichkeitsgebot werden in den nachfolgenden Ausführungen erläutert. Sie sollen vor allem den betroffenen Hauseigentümern zur Information dienen und die weitere Vorgehensweise aufzeigen.

 

Weitere Einzelheiten können Sie erfragen bei Ihrem zuständigen Bezirks-Schornsteinfegermeister oder bei der unabhängigen Energieberatungsagentur ENA.

Was ist eine bedingte Nachrüstungsanforderung? (§ 9 EnEV, Anlage 3):

Bedingte Nachrüstungsanforderungen sind Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäudeteilen, wenn sie erweitert werden, sowie Außenbauteile, wenn sie ersetzt, erneuert oder erstmalig eingebaut werden.

Beispielsweise ist bei der Maßnahme „Erneuerung des Außenputzes“ darauf zu achten, dass der zulässige Höchstwert für den Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) eingehalten wird. Dies bedeutet, dass nach der Sanierung der Gesamt-U-Wert des Mauerwerks 0,24 W/m²K nicht überschreiten darf. Im Allgemeinen (je nach vorhandenem Mauerwerk und verwendetem Dämmstoff) ist dies mit einer Dämmstoffstärke von ca. 10 - 16 cm zu erreichen.

Maßgeblich für Anwendung der bedingten Nachrüstanforderungen ist, dass der Gebäudeeigentümer die Erweiterung oder die Sanierung ohnehin durchführt. Die Anforderung erstreckt sich nur auf die tatsächlich erweiterten Gebäudeteile oder die neu eingebauten oder veränderten Bauteile.

Hinweis: Auf Änderungen von Außenbauteilen ist die EnEV nicht anzuwenden, wenn die Fläche der geänderten Bauteile nicht mehr als 10 % der gesamten jeweiligen Bauteilfläche betrifft. Dies ermöglicht auch weiterhin eine unkomplizierte Durchführung kleinerer Reparaturmaßnahmen, z.B. bei Fenstern oder Wandflächen einer Fassade oder der Dachfläche. Auch für denkmalgeschützte Gebäude enthält die EnEV Sonder- und Ausnahmeregelungen.

 

Was ist eine echte Nachrüstpflicht? (§ 10 EnEV):

Auch wenn der Gebäudeeigentümer keine Sanierungsabsicht hat besteht die Pflicht, bestimmte Gewerke, Bauteile oder Anlagen(teile) auszutauschen, nachzurüsten oder neu einzubauen. Sie müssen innerhalb einer bestimmten Frist erfüllt werden. Für diese Fälle stellt das Energieeinsparungsgesetz (EnEG) hohe Anforderungen an die Wirtschaftlichkeit.

 

Welche baulichen Nachrüstungsanforderungen werden gestellt?

Bei der Erweiterung und dem Ausbau eines bestehenden Gebäudes (§9 Abs. 4 und Abs. 5 EnEV) um beheizte oder gekühlte Räume, für die kein Wärmeerzeuger eingebaut wird, sind die betroffenen Außenbauteile so zu ändern oder auszuführen, dass die Wärmedurchgangskoeffizienten der betroffenen Flächen die für solche Außenbauteile festgelegten Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten nicht überschreiten.

Ist die hinzukommende zusammenhängende Nutzfläche größer als 50 m², sind außerdem die Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz einzuhalten.

Wird zudem auch ein neuer Wärmeerzeuger eingebaut, sind die betroffenen Außenbauteile so zu ändern oder auszuführen, dass der neue Gebäudeteil die Vorschriften, wie sie für den Neubau gelten, einhält.

 

Nachrüstungsverpflichtungen für Gebäude (§ 10 EnEV):

Neben den energetischen Anforderungen, die aber erst dann gelten, wenn ein Gebäude tatsächlich saniert oder umgebaut werden soll, enthält die EnEV einige unbedingte Nachrüstverpflichtungen, die in jedem Fall umzusetzen sind. Die Fristen dazu sind entweder „umgehend“ oder „innerhalb eines bestimmten Zeitraumes“.

Wichtig: Ausgenommen von den Nachrüstverpflichtungen sind Ein- und Zweifamilienhäuser, die vom Eigentümer selbst schon vor dem 1. Februar 2002 bewohnt wurden. Für Eigentümerwechsel nach diesem Datum beträgt die Frist zur Pflichterfüllung zwei Jahre!

 

Überwachung, Vollzug, Ausnahmen und Befreiungen:

Grundsätzlich obliegt die Überwachung und der Vollzug der in der EnEV festgesetzten Anforderungen den unteren Bauaufsichtsbehörden. Allerdings sind bestimmte Überwachungsaufgaben auf anderen Stellen übertragen. So wird z.B. der fristgerechte Austausch von Heizkesseln und die Einhaltung bestimmter Anforderungen an heizungstechnische Anlagen vom Bezirksschornsteinfegermeister im Zuge der Feuerstättenschau kontrolliert.

 

Das Vorliegen der Voraussetzungen für eine Ausnahme (§ 24 EnEV) muss von einem Sachverständigen bescheinigt werden.

 

Zur Befreiung wegen unangemessenem Aufwand bzw. unbilliger Härte (§ 25 EnEV) muss der Gebäudeeigentümer einen Sachverständigen einschalten, von dem das Vorliegen der Voraussetzungen für eine Befreiung bescheinigt werden muss. Eine unbillige Härte liegt insbesondere vor, wenn die erforderlichen Aufwendungen innerhalb der üblichen Nutzungsdauer, bei Anforderungen an bestehende Gebäude innerhalb angemessener Frist durch die eintretenden Einsparungen nicht erwirtschaftet werden können. Der Antrag auf Erteilung einer Befreiung ist bei der unteren Bauaufsichtsbehörde zu stellen. Sofern eine Baugenehmigung für das Vorhaben erforderlich ist, sollte der Antrag zusammen mit dem Baugenehmigungsantrag gestellt werden.

Wie finde ich einen geeigneten Sachverständigen?

Sachverständige findet man in den Listen der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau oder der Bayerischen Architektenkammer. Die Listen können hier angefordert bzw. abgerufen werden (ggf. gegen eine Gebühr):

Bayer. Ingenieurekammer-Bau Bayer. Architektenkammer
Einsteinstraße 1-3 Waisenhausstraße 4
81672 München 80637 München
E-Mail: info@bayika.de E-Mail: info@byak.de
www.bayika.de www.byak.de

Alternativ können Sie auch einen Sachverständigen / Experten aus dem Landkreis Nürnberger Land kontaktieren. Die Liste der Energieberater aus dem Landkreis Nürnberger Land finden Sie hier: Energieberater.

Das Unterlassen bestimmter Handlungsverpflichtungen aus der EnEV begründet nach § 27 EnEV eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße belegt werden kann. Diese Geldbuße kann bis zu 50.000 € betragen (§ 8 EnEG).

 

Förderprogramme:

Für Maßnahmen zur Energieeinsparung und Nutzung erneuerbarer Energien stehen auf Bundes- und Landesebene Förderprogramme in Form von Zuschüssen und zinsgünstigen Darlehen zur Verfügung. Weitere Informationen dazu finden Sie hier: Förderung.

 

 

Weitere Informationen, Tipps oder eine persönliche Beratung zu den genannten Förderprogrammen bzw. rund um die Themen Bauen, Sanieren, Erneuerbare Energien erhalten Sie bei der ENA.

gedruckt am  23.09.2019
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