21.08.2019
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Landkreis Nürnberger Land

10. Jahrtag der Feldgeschworenen in Henfenfeld

Logo der Feldgeschworenenvereinigung
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Ein doppeltes Jubiläum feierten die Mitglieder der Feldgeschworenen-Vereinigung Nürnberger-Land bei ihrem Jahrtag in Henfenfeld: Die Vereinigung gibt es seit mittlerweile zwanzig Jahren, der Jahrtag selbst fand zum zehnten Mal statt.

 

Rund 190 „Siebener“ waren in die Sporthalle des SV Henfenfeld gekommen, um eine neue Vorstandschaft ihrer Vereinigung zu wählen, gegenseitig Erfahrungen auszutauschen und das gesellige Miteinander zu pflegen. Einstimmig wurden alle Entscheidungen getroffen – von der Entlastung des Kassiers und der Vorstandschaft bis hin zur Wahl der Vorstands- und Ausschussmitglieder: Alter und neuer Erster Vorsitzender ist Günther Hupfer aus Oberrieden, der das Amt seit Bestehen der Feldgeschworenen-Vereinigung ausübt. Ebenfalls bestätigt wurden Zweiter Vorsitzender Jürgen Fleischmann, Kassier Hans Prottengeier, Schriftführer Dieter Halm, sowie Kassenprüfer Peter Bobisch. Ihm zur Seite steht künftig als zweiter Kassenprüfer Hans Kraus. Hermann Roth war nicht mehr zur Wahl angetreten.Dem Ausschuss gehören an: Erich Hörner, Horst Eckstein (neu für Hans Göring), Werner Himmler (bisher: Hans Gerstacker) und Ralf Höfler sowie Herbert Reich und Walter Rupprecht.

 

Mit dem Ehrenbrief der Feldgeschworenen-Vereinigung Nürnberger-Land ausgezeichnet und gleichzeitig zu Ehrensiebenern ernannt wurden: Hans Hirschmann; Hermann Maußner; Hans Mischak; Wilhelm Prottengeier; Kurt Schmauß; Georg Pfeiffer; Fritz Sperber; Georg Pürner; Erwin Lehnerer; Karl Maul; Johann Sebald; Georg Scharrer; Stefan Wolfermann; Hans Liebel; Kurt Urbansky; Georg Schramm; Robert Maas; Richard Schmidt.

Mit einer Urkunde des Bayerischen Finanzministers wurden für 50 Jahre Tätigkeit als Feldgeschworene geehrt: Hans Heller; Willi Reich.

Für 40 Jahre wurden geehrt: Konrad Sperber; Gerhard Walter; Kurt Schmauß; Willi Deinzer.

Die Auszeichnung für 25 Jahre treue Dienste erhielten: Herbert Rupprecht; Georg Bernhardt; Johann Graßer; Leonhard Hoffmann; Wilhelm Prottengeier.

 

Folgende Jungsiebener, die von den jeweiligen Gemeindeverwaltungen als Feldgeschworene vereidigt wurden, begrüßte Landrat Armin Kroder per Handschlag und wünschte ihnen für die verantwortungsvolle Tätigkeit alles Gute: Heinz Kräußel; Hans Rupprecht; Günter Schuierer; Joseph Rauch; Adolf Klink; Michael Lichtscheidel; Walter Krämer; Waldemar Schwarz; Rudolf Rupprecht; Werner Regler; Günter Niedermeier; Willi Ohlwärter; Bernd Gerstacker; Hans-Walter Gerstacker; Werner Himmler; Simon Meier; Florian Pritting; Horst Tauber; Stephan Weber; Michael Wessollek; Georg Zimmermann; Georg Meyer; Alfred Schmidt; Werner Greisel; Georg Wiedner; Helmut Röhr; Hermann Dziubany.

 

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Festvortrag von Pfarrer Dr. Peter Baumann über „950 Jahre Henfenfeld“. Mit interessanten Bildern und zahlreichen Geschichten brachte er den Zuhörern die Geschichte des Dorfes näher, das 1059 als „Henphenvelt“ erstmals erwähnt wurde. Die Kirche und das Schloss stellen, so Baumann, starke Konstanten in der Geschichte Henfenfelds dar. Beide sind sehr eng miteinander verbunden, war die Kirche früher doch die Privatkirche der Schlossherren. So hatte bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts der Schlossherr das Besetzungsrecht für die Pfarrei.

Besonders ging Pfarrer Baumann auf den wohl bekanntesten Henfenfelder ein – den Kartografen Paul Pfinzing, dessen Familie das Schloss von 1530 bis 1764 gehörte. Pfinzing führte das Vermessungswesen im Nürnberger Land ein, erfand mehrere dafür erforderliche Gerätschaften und Werkzeuge und konnte daher für die damalige Zeit schnell und genau das Gelände vermessen und die Daten auf Karten übertragen.

Die Henfenfelder Kirche enthält die ältesten Glasgemälde Mittelfrankens (aus dem 13. Jahrhundert) und weitere künstlerische Kostbarkeiten wie Werke des Malers Johann Christoph Reich.

 

Bürgermeister Gerhard Kubek freute sich, dass der Jahrtag der Siebener den Auftakt zu den Festivitäten für die 950-Jahr-Feierlichkeiten Henfenfelds bildet. Er stellte den Feldgeschworenen die Gemeinde Henfenfeld kurz vor. Landrat Armin Kroder, für den es die Jahrtag-Premiere war, ging in seinem Grußwort auf die Tradition der Selbstverwaltung bei den Feldgeschworenen ein, die ihre Nachfolger selbst bestimmen. „Sie sind Mediatoren zwischen der Vermessungsverwaltung einerseits und den Bürgerinnen und Bürgern andererseits – ein ehrenvolles Amt für ehrenvolle Personen“, lobte Kroder.

 

Für Landtagsabgeordneten Kurt Eckstein – selbst Feldgeschworener – war es ein „erhebendes Gefühl, so viele Männer zu sehen, die sich für die Gesellschaft engagieren.“ Wie alle Grußwortredner dankte er den Feldgeschworenen für ihren Einsatz.

Vermessungsdirektor Claus Vetter, Leiter der Außenstelle Hersbruck des Vermessungsamts Nürnberg, betonte die Verbundenheit zwischen der Vermessungsverwaltung und den Feldgeschworenen. Gemeinsam wurden in den letzten zwei Jahren über 1.000 Grundstücksvermessungen durchgeführt und dabei über 7.500 Grenzpunkte abgemarkt.

 

Leitender Baudirektor Reinhold Geistmann, stellvertretender Leiter des Amts für ländliche Entwicklung Ansbach, ging auf die Leistungen der Feldgeschworenen im Rahmen der Dorferneuerung und Flurneuordnung ein. Der Landkreis Nürnberger Land ist hier seit einigen Jahren Schwerpunkt der Aktivitäten des Amtes. Allein im vergangenen Jahr wurden rund drei Millionen Euro investiert.

Der Leiter des Amts für Landwirtschaft und Forsten Roth, Werner Wolf, hob die wichtige Arbeit der Siebener bei Eigentumsfragen hervor. Bauernverbands-Kreisobmann Günther Felßner hieb in die gleiche Kerbe und betonte die Tradition der Feldgeschworenen als „Ehrenamt im besten Sinne“.

 

Begonnen hatte der Jahrtag mit einem Gottesdienst in der Sankt-Nikolaus-Kirche in Henfenfeld. Pfarrer Dr. Peter Baumann rückte den Gedanken des „Grenzen-Setzens“ ins Zentrum seiner Predigt. Ausgehend von Psalm 104, in dem die Schöpfung besungen wird, sagte Baumann, dass Grenzen in vielen Bereichen erforderlich sein können: Ganz konkret im Umgang mit der Schöpfung, im Wirtschaftsleben – wie die Banken- und Finanzkrise zeige – , aber auch im übertragenen Sinn, damit Menschen menschlich miteinander umgehen können. Die Hammerbachtaler Sänger sorgten für die musikalische Ausgestaltung des Gottesdienstes wie des Jahrtags – unter anderem mit dem Paul-Pfinzing-Lied.

 

 

1. Vorsitzender Günther Hupfer, Oberrieden bei seiner Begrüßungsrede
0121 Die Hammerbachtaler Sänger umrahmten den Festgottesdienst in der St. Nikolaus-Kirche und den Jahrtag in der Sporthalle Henfenfeld
Die für 25, 40 und 50 Jahre Felgeschworenen Tätigkeit Geehrten
Ehrensiebener
Jungsiebener


Nachfolgend einige Informationen zum Amt des / der Feldgeschworenen:

Der Feldgeschworene - ein kommunales Ehrenamt

Wer sind diese Steinsetzer?

Es sind "sieben ehrbare Männer"! Sie müssen einen guten Leumund besitzen und die Voraussetzungen nach dem kommunalen Wahlgesetz erfüllen. Außerdem wird Wert darauf gelegt, dass Sie Grenze und Eigentum achten. Seit 1981 können auch Frauen in dieses Amt berufen werden.

Welche Aufgaben erfüllen Sie in unserer Gesellschaft?

Sie überwachen die Markung, sowohl auf den Grundstücken als auch an den Grenzen der Kommunen. Sie heben und senken Grenzsteine bei Bedarf und bringen - dort wo das Siebnergeheimnis noch Anwendung findet - verlorene Grenzmarken an Ihren Platz. Ihnen ist auch in Zusammenarbeit mit den staatlichen Vermessungsämtern der Steinsatz vorbehalten.

Was haben sie Geheimnisvolles an sich?

Seit urvordenklichen Zeiten legen Sie einen Eid ab, der sie auf Lebenszeit an die gewissenhafte Erfüllung ihrer Pflichten bindet und die Bewahrung des Siebnergeheimnisses vorschreibt. Und eben dieses Geheimnis ermöglicht Ihnen die Unverletztheit des Grenzpunktes festzustellen. Es wird nur mündlich von Generation zu Generation weitergegeben und ist "bis In Eure Gruben verschwiegen zu behalten'.

Warum spricht man von einer "schwarzen Zunft"?

Früher war es üblich, dass diese Männer in dunkler Kleidung ihr geheimnisumwittertes Amt versahen und noch heute Ist es Brauch, sauber gekleidet und nicht ohne Hut zum Dienst zu erscheinen.

Woher kommt nun dieses Amt?

Im Mittelalter bestanden in den Siedlungen die Rug- bzw. Dorfgerichte. Aus ihnen gingen mit dem Beginn der Feudalzeit, also vor mehr als 500 Jahren, die Grenzgerichte hervor. Man kannte dieses Rechtsinstitut im ganzen Einflußbereich der großen Frankenkaiser, Ihrem Urteil unterwarfen sich selbst die Grundherren. So haben diese Siebner in unserem Raum den Wechsel aller Regierungs- und Gesellschaftsformen nahezu unbeschadet überstanden.