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04/09/19

1 Kind, 9 Monate, 1.000 Fragen

NÜRNBERGER LAND (LRA) – Eine Schwangerschaft bedeutet im Leben jeder Frau, jeden Paares große Veränderungen: Da ist einerseits die Vorfreude auf das Baby, aber es tauchen auch viele offene Fragen, mitunter Ängste und Zweifel auf – erst recht, wenn eine ungewollte Schwangerschaft unter ungünstigen Bedingungen besteht. Die richtige Adresse zur Beantwortung von Fragen aller Art ist in solchen Fällen die staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen im Gesundheitsamt des Landratsamtes Nürnberger Land, die jetzt ihren Jahresbericht für 2018 mit beeindruckenden Zahlen vorlegte.

 

„Bei Frauen, die unseren Rat suchen, fahren die Gefühle oft Achterbahn“, sagt Christa Gertshauser, Leiterin der Beratungsstelle, bei der Vorstellung des Berichts. „Oft können Ängste und Zweifel durch Gespräche mit den erfahrenen Diplom-Sozialpädagogen ausgeräumt oder zumindest verringert werden, mitunter sind auch ganz praktische Hilfen möglich.“

 

Die Schwangerenberatungsstelle in Lauf suchten im vergangenen Jahr insgesamt 552 Bürgerinnen und Bürger auf, was zwar einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr bedeutet, jedoch bewegen sich die Zahlen seit 2014 mit seinerzeit 480 Ratsuchenden wieder auf einem vergleichsweise hohen Niveau.

 

Einen Beratungsschwerpunkt bildeten Termine zu sozialen und finanziellen Fragestellungen. Oft bestehen gerade beim ersten Kind Unsicherheiten bezüglich der Ansprüche an gesetzliche Leistungen. Dabei ist die Sorge um die Absicherung des künftigen Familieneinkommens für die werdenden Väter in der Beratung ein besonders gravierendes Thema. Termine werden meist mit dem Anliegen vereinbart, Verständnisfragen zu klären, um keine Ansprüche oder Fristen, beispielweise bei der Beantragung des Elterngeldes, zu versäumen. Eher im Laufe der Beratung werden auch Fragen zum Kindschaftsrecht, zu Entbindungseinrichtungen, Kinderbetreuungsmöglichkeiten sowie Kurs- und Gruppenangebote angesprochen. Schwangere, die sich in einer schwierigen sozialen Lebenssituation befinden, können über die Schwangerenberatungsstelle finanzielle Unterstützung bei der Landesstiftung „Hilfe für Mutter und Kind“ beantragen. 2018 haben die Mitarbeiter der Beratungsstelle 125 Anträge bei der Stiftungsverwaltung eingereicht.

 

Mit dem Anliegen einer Konfliktberatung - weil ein Schwangerschaftsabbruch in Erwägung gezogen wurde – kamen im vergangen Jahr 126 Frauen zur Beratungsstelle. Im Vergleich zu 2017 bedeutet diese Zahl einen Rückgang von zehn Prozent. Das erste Mal seit Bestehen der Schwangerenberatungsstelle war unter den Ratsuchenden keine einzige Minderjährige. Die jüngste Frau war 18, die älteste 44 Jahre alt. Die Altersstruktur bei den Konfliktschwangeren hat sich langfristig betrachtet verschoben: es werden weniger junge Frauen ungewollt schwanger, während sich vermehrt die 31-35-Jährigen mit dieser Problematik konfrontiert sehen. Meist ist es die Angst vor psychischer und physischer Überforderung sowie vor der Verantwortung, die die Schwangeren als Gründe für die Erwägung eines Schwangerschaftsabbruchs nennen. Doch auch Schwierigkeiten in der Partnerbeziehung sowie finanzielle Probleme beziehungsweise Schulden wurden als Faktor aufgeführt.

 

Neben der Beratungstätigkeit bildet die präventive Gruppenarbeit einen weiteren Arbeitsschwerpunkt der Schwangerenberatungsstelle. Bei insgesamt 32 Veranstaltungen wurden 818 Personen, insbesondere Schüler im Rahmen der sexualpädagogischen Angebote für Schulklassen, erreicht. Die Themen Pubertät, Zyklus, Befruchtung, Schwangerschaft, Sexualität, Freundschaft, Liebe und Verhütung wurden aufbereitet. Großen Anklang fand das mobile Schultheater. Das Stück „hab mich lieb“ behandelte von der ersten Liebe über Pornographie und Cybermobbing ein breites Spektrum relevanter Fragestellungen.

 

Die Schwangerschaftsberatungsstelle befindet sich in der Waldluststraße 3 in Lauf a. d. Pegnitz. Die Beratung erfolgt nach Terminvereinbarung unter der Telefonnummer 09123/950-6557 oder per E-Mail unter schwanger@nuernberger-land.de.

Tauschten sich über den von Ulrike Weber akribisch erstellten Jahresbericht aus: Sachgebietsleiterin Christa Gertshauser (rechts) und Angelika Jockers (links) von der Schwangerschaftsberatungsstelle im Gesundheitsamt; (Foto: Andrea Gramlich)
gedruckt am  20.04.2019
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