21.05.2019
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Landkreis Nürnberger Land

04/25/19

Für die Bahn im Pegnitztal – Kampf um die Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale

Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler, die Landtagsabgeordneten Norbert Dünkel und Wolfgang Hauber, Landrat Kroder, Günter Finzel und Bürgermeister Robert Ilg (6.u.7.v. l.) lauschen den Ausführungen von Matthias Trykowski von der DB-Netz-Agentur (5.v.l.). Foto: Iris Bitzigeio

NÜRNBERGER LAND (lra) – Die Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Marktredwitz mit Abzweig nach Bayreuth führt durch das Pegnitztal, in dem viele marode Zugbrücken stehen. Bei deren Umbau oder Erneuerung müssten jetzt die Weichen gestellt werden, damit die Bahnstrecke über die kommenden Jahrzehnte von Elektrobahnen befahren werden kann und eine Zukunft hat – doch es gibt Hindernisse. Landrat Armin Kroder appellierte bei einer Besichtigungstour an hochranginge Politiker, sich für einen Neubau der Brücken und für die Elektrifizierung einzusetzen.

 

Im idyllischen Pegnitztal gibt es 23 Eisenbahnbrücken, die zum Teil über 130 Jahre alt sind – und an denen deswegen dringend etwas getan werden muss. Nun gibt es baulich zwei Möglichkeiten: Die erste wäre, die Brücken auszubessern, ohne sie im Wesentlichen in Optik und Aufbau zu verändern. Dies fordern Bürgerinitiativen und Denkmalschutz: Die Strecke durchs Pegnitztal wurde auf Bestreben der Initiativen zum Liniendenkmal erklärt. Deswegen liegt die Reparatur auf Eis, obwohl sie bereits seit 2003 im Bundesverkehrswegeplan verankert ist. Kommt die Sanierung im Sinne des Denkmalschutzes, können auf der Strecke weiterhin nur Dieselloks fahren, aber keine elektrischen Züge – dafür ist der Abstand zwischen den Schienen zu gering. Des Weiteren werden die schnellen Loks, die derzeit für eine Direktverbindung Bayreuth-Nürnberg sorgen, nach und nach wegen ihres Alters aus dem Verkehr gezogen; die Nachfolgemodelle können der Kurvenneigung wegen die aktuelle Schienenstruktur aber nicht nutzen. Die Folge wäre, dass es keine schnelle Verbindung zwischen den beiden Städten mehr gäbe. Außerdem kann eine bloße Sanierung nicht garantieren, dass die Brücken nach der aufwendigen Maßnahme jahrzehntelang keine Zuwendung mehr brauchen, im Gegenteil: Günter Finzel von der Bayreuther Stabsstelle für Strukturentwicklung befürchtet, dass das Pegnitztal, das zum Teil Naturschutzgebiet ist, zur Dauerbaustelle werden könnte, weil an den maroden Brücken immer wieder nachgebessert werden muss.

Die zweite Möglichkeit ist, die Brücken nicht zu sanieren, sondern abzureißen und durch Neubauten zu ersetzen, sodass sie allen Anforderungen der neuen, elektrischen Bahnen genügen, und dabei auch die bestehenden Tunnel im Pegnitztal zu verbreitern, damit die neuen Bahnen hindurchpassen. Dann könnten die Bahnen von Nürnberg bis Hof und Cheb in Tschechien durchfahren. Außerhalb Bayerns, so in Tschechien und Sachsen, ist die Strecke bereits modernisiert, nun wird von Bayern erwartet, die bestehende Lücke zu schließen.

 

Landrat Armin Kroder und die Bürgermeister der Gemeinden, die an der Strecke liegen – Josef Springer aus Neuhaus an der Pegnitz, Werner Wolter aus Hartenstein, Robert Ilg aus Hersbruck, Herbert Seitz aus Velden und Volker Herzog aus Vorra –, Landtagsabgeordneter Norbert Dünkel und Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler organisierten zusammen mit Günter Finzel aus Bayreuth eine Besichtigungstour der Strecke mit ihren Brücken und Tunnels, um für den Neubau der Brücken zu werben. Ihrem Ruf folgten Vertreter aus anderen Landkreisen und den tschechischen Orten, die an die Strecke angrenzen, sowie Politiker aus Bundes- und Landtag über die Parteigrenzen hinweg und Vertreter der Regierung in Oberfranken. „Wir reden nicht über eine Nebenstrecke, sondern über eine Strecke von nationaler und sogar europäischer Bedeutung“, sagte die Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler im Schulterschluss mit Kroder. Der Landrat und die anderen Initiatoren baten alle Teilnehmer eindringlich um ihren Einsatz für die Strecke. Kroder hat neben den Anliegen der Kooperationspartner außerhalb Bayerns – von tschechischer Seite nahm unter anderem Martin Hurajcik vom Bezirksamt Karlsbad als Vertreter der Regionalpräsidentin teil – auch die Belange der Bevölkerung vor Ort im Blick. Dazu gehören die lokal ansässige Wirtschaft und der Naturschutz. Mit neuen Brücken und erweiterten Tunnels könnten Güterzüge das Pegnitztal durchqueren, was die Autobahnen entlasten würde, außerdem würden die neuen Brücken und die elektrischen Bahnen für deutlich weniger Lärm im Tal sorgen – derzeit rattern die Dieselloks über nicht gerade emissionsarme Flussstahlkonstruktionen. Günter Finzel fügt hinzu, dass die weniger massiven und zierlicheren Neubauten außerdem die Luftaustauschströme im Tal nicht in dem Ausmaß stören würden, wie es die alten Brücken tun. Für die Wirtschaft ist die gute Anbindung an die Ortschaften wichtig, in denen Mitarbeitende und Geschäftspartner zu finden sind. Sabine Rupp, als Geschäftsführerin der international agierenden Eckart-Werke eine Vertreterin der Unternehmen vor Ort, betont, dass im Kampf um Fachkräfte auch Standort und Verkehrsanbindung des Unternehmens eine wichtige Rolle spielen. „Meine Mitarbeitenden und ich sind viel unterwegs, nicht zuletzt mit dem Zug. Da spielt diese Strecke eine tragende Rolle – sie muss attraktiv bleiben, für unsere Pendler und unsere Dienstreisen.“

 

Je länger der Neubau der Brücken und Tunnels im Pegnitztal hinausgezögert wird, desto unwahrscheinlicher wird es, dass das Projekt überhaupt noch realisiert werden kann. Denn es gibt andere Strecken, die, wenn sie vor der Franken-Sachsen-Magistrale elektrifiziert werden, Züge und Bahnreisende von dieser abziehen könnten. Dann würde sich die Berechnungsgrundlage für den Kosten-Nutzen-Faktor des Ausbaus der Strecke durch das Pegnitztal ändern: Die Elektrifizierung wäre dann nicht mehr wirtschaftlich rentabel. „Wir wollen andere Strecken nicht kannbalisieren“, sagt Landrat Kroder, „aber diese Infrastrukturmaßnahme ist für unsere Region extrem wichtig.“ Der gesamte Ausbau der Strecke kostet mehrere Millionen, das Projekt muss der Bundestag beschließen.