20.08.2019
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Landkreis Nürnberger Land

07/31/19

Landkreis schließt weitere Asylbewerberunterkünfte

NÜRNBERGER LAND (lra) – Der Landkreis Nürnberger Land hat seit Jahresbeginn fünf dezentrale Asylbewerberunterkünfte geschlossen. Davon befanden sich zwei in Hartenstein, zwei in Hersbruck und eine in Pommelsbrunn. Bis Ende Dezember werden weitere fünf Asylbewerberunterkünfte vom Netz gehen. Das berichtete der zuständige Sozialamtsleiter Wolfgang Röhrl im jüngsten Ausschuss für soziale Fragen. Nachdem bei der überwiegenden Anzahl der Objekte eine Mietvertragsdauer von circa 5 Jahren vereinbart wurde, laufen ab dem aktuellen Jahr vermehrt Verträge aus. Aufgrund der geringen Auslastung der gesamten Unterbringungskapazitäten habe es keinen Bedarf mehr gegeben, die Mietverträge zu verlängern.

 

Ab dem Jahr 2014 wurden bedingt durch den Anstieg der Asylbewerberzahlen in Deutschland, und somit auch im Nürnberger Land, in größerem Umfang Objekte zur dezentralen Unterbringung von Asylbewerbern durch den Landkreis angemietet. Der höchste Stand wurde 2018 erreicht, wo insgesamt 2.598 Plätze in sieben von der Regierung von Mittelfranken betriebenen Gemeinschaftsunterkünften sowie in 42 dezentralen Unterkünften des Landkreises für die sogenannte Anschlussunterbringung vorgehalten wurden. Das Ziel sei stets gewesen, alle Asylbewerber ordentlich – das heißt nicht in Zelten oder Turnhallen – unterzubringen. Dieses Ziel sei erreicht worden, stellte Landrat Armin Kroder anerkennend fest, wenngleich in der Hochphase des Asylbewerberzustroms eine gleichmäßige Verteilung im Nürnberger Land nicht möglich gewesen sei. Kroder kann sich noch gut an die Schwierigkeiten der Anfangsphase erinnern: „Manche Besprechungen waren durchaus fordernd“. Sein Fazit nach vier Jahren fällt trotzdem insgesamt positiv aus: „In Zusammenarbeit mit Haupt- und Ehrenamtlichen sowie den Mitarbeitern der Asylsozialberatung haben wir beachtliche Integrationserfolge im Landkreis erreicht“.

 

Aufgrund der nachlassenden Zugangszahlen sowie dem Auszug von Asylbewerbern nach der Anerkennung des Asylstatus wird von Seiten des Bayerischen Sozialministeriums und der Regierung von Mittelfranken unter dem Titel „Umsteuerung“ das Ziel verfolgt, Überkapazitäten zu vermeiden und die Auslastung der Objekte zu erhöhen. „Die Situation habe sich jetzt so stabilisiert, dass Plätze und damit die Anzahl der Asylbewerberunterkünfte reduziert werden können“ erklärte Wolfgang Röhrl. Verträge mit Vermietern von dezentralen Asylbewerberunterkünften, die derzeit und demnächst auslaufen, werden deshalb nicht mehr verlängert. Selbst wenn sich Objekte in einem besonders guten Zustand befinden und eine Verlängerung erstrebenswert wäre: der Landkreis hat keine Wahl und muss die Vertragsverhältnisse peu à peu beenden. Die sieben Gemeinschaftsunterkünfte mit insgesamt 384 Plätzen bleiben dagegen weiterhin bestehen, da hier seitens der Regierung Verträge über eine längere Laufzeit abgeschlossen wurden.

 

Aktuell gibt es im Nürnberger Land 1.635 Plätze für Asylbewerber, belegt sind tatsächlich nur 979. Davon sind 190 sogenannte Fehlbeleger – Personen, die den Asylstatus haben und eigentlich ausziehen müssten, es aufgrund der Knappheit an bezahlbarem Wohnraum aber nicht können. „Wir wollen die Gemeinden mit dem Problem nicht allein lassen“, gibt Röhrl zu bedenken. Von den derzeit noch 33 dezentralen Unterkünften sollen bis zum Jahresende noch zwei Objekte in Burgthann sowie jeweils eins in Hersbruck, Schnaittach und Schwarzenbruck aufgelöst werden. Bis Ende 2020 soll die Zahl der dezentralen Unterkünfte dann auf 19 reduziert werden. Das entspricht einem Rückgang von fast fünfzig Prozent gegenüber der Hochphase im Jahr 2018. Im Zuge der Unterkunftsschließungen steht Wolfgang Röhrl und sein Team in engem Kontakt mit den Gemeinden und der Asylsozialberatung. Gespräche mit den Vermietern und Kommunen über die Nachnutzung der Objekte (zum Beispiel als preisgünstige Wohnung oder Obdachlosenunterkunft) werden nach Möglichkeit angestrebt.

Das ehemalige MAN-Roland-Gebäude in Lauf wird seit Ende 2016 als dezentrale Asylbewerberunterkunft genutzt; (Foto: Andrea Gramlich)