24.09.2020
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Landkreis Nürnberger Land

Bayerischer Innovationspreis Ehrenamt 2020 geht an die Stiftung „Deutschland Schwimmt“

Alexander Gallitz, dem Gründer der Stiftung, geht es um den Spaß am Schwimmen und darum, jedes Kind so vorzubereiten, dass es sich im Wasser sicher bewegen kann. Foto: Hailer

NÜRNBERGER LAND (lra) – Der diesjährige Bayerische Innovationspreis Ehrenamt in der Kategorie „Neue Ideen“ ging unter anderem an das Inklusionsprojekt „Schwimmen lernen für ALLE“ der Stiftung „Deutschland Schwimmt“, die ihre Wurzeln im Landkreis Nürnberger Land hat.

 

„Schwimmen lernen für alle“ – bei diesem Projekt werden Menschen mit Behinderung zu Schwimmlehrern ausgebildet, sodass sie anschließend, wenn sie ihr Zertifikat erworben haben, als Assistenzschwimmlehrer eingesetzt werden können. Alexander Gallitz rief es im Jahr 2017 ins Leben. Gallitz ist ehemaliger Schwimmer der 1. Bundesliga und der deutschen Nationalmannschaft, und außerdem Gründer der deutschlandweit größten Schwimmschule „Flipper“, die unter anderem eine Filiale im Landkreis Nürnberger Land hat, in der Gemeinde Rückersdorf. „In unserem Motto steckt alles drin, worum es uns geht – es sollen alle Menschen schwimmen lernen, ob Jung oder Alt, mit Handicap oder nicht, damit jeder im Wasser sicher unterwegs ist“, betont Gallitz. „Unsere Ideen und Schulungen können deutschlandweit umgesetzt werden - und sollten es im Sinne der Inklusion auch.“ Vielleicht klappt es im September mit der bundesweiten Aufmerksamkeit: Gallitz betreut ein Team aus Sportlern mit Handicap mit, die den weltberühmten Challenge-Triathlon in der Staffel absolvieren und dabei einen neuen Weltrekord aufstellen wollen. Der Schwimmer ist blind, der ebenfalls blinde Radfahrer bestreitet die 180 km auf dem Tandem und die Marathon-Distanz legt ein Rollstuhlfahrer zurück.

 

Die Stiftung „Deutschland Schwimmt“ engagiert sich schon seit mehreren Jahren für den Schwimmsport von Menschen mit Behinderung. Im Herbst 2016 sprach eine Freundin Gallitz an, die trotz aller Bemühungen für ihren geistig behinderten Sohn keinen Platz in einer Schwimmschule finden konnte. Der damals Siebenjährige liebt das Wasser und sollte wie jedes andere Kind auch das Schwimmen lernen, um im Ernstfall nicht zu ertrinken, aber niemand war bereit, den Jungen zu unterrichten. Gallitz begegnete dem Problem, indem er die Stiftung gründete. Die ersten Unterrichtseinheiten fanden in den Räumlichkeiten der Schönberger Lebenshilfe und dem Schulschwimmbad Altdorf statt, wurden dann ins Langwasserbad nach Nürnberg verlegt. Es geht Gallitz sowohl um den Spaß am Schwimmen als auch darum, jedes Kind so vorzubereiten, dass es sich im Wasser sicher bewegen kann: „Ich liebe, was ich tue und wo ich es tue, und diese Liebe zum Wasser möchte ich weitergeben, besonders indem ich Kids und Menschen, die es nicht so leicht haben, beim Schwimmenlernen unterstütze.“ Inzwischen schult die Stiftung auch klassische Schwimmlehrer, damit sie mit Menschen mit Beeinträchtigung arbeiten können, und bildet Fachkräfte aus der Behindertenarbeit zu Schwimmlehrern aus.

 

„Sport im Allgemeinen und Schwimmen im Besonderen ist gerade auch für Menschen mit Behinderung eine große Bereicherung. Und wenn sie sich zusätzlich ehrenamtlich engagieren können, ist das gelebte Inklusion im bestem Sinne“, begründet Carolina Trautner, Ministerin im Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, die Auszeichnung der Stiftung mit dem Bayerischen Innovationspreis Ehrenamt. Es gingen über 300 Bewerbungen um den Preis ein. Im Mai 2020 sollten im Rahmen eines Festaktes die ausgewählten elf Preisträger von Trautner persönlich ausgezeichnet werden, was aber aufgrund der Pandemie-Lage nicht möglich war. Weitere Infos zur Stiftung finden sich auf ihrer Homepage: deutschlandschwimmt.com/ueber