15.07.2020
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Landkreis Nürnberger Land

06/23/20

Weiter Deutsch lernen in Zeiten von Corona: Sprachtandems des WinWin Freiwilligenzentrums

Ainur Bakhitzhanova und ihre Sprachtandem-Partnerin Jena Ilka Frey treffen sich in Hersbruck zum Austausch. Thema heute ist ein Ausflug in die Fränkische Schweiz.
Foto: B. Janßen

NÜRNBERGER LAND (lra) – Für Menschen, die einen Sprach- oder Integrationskurs besuchen, bedeutet die Corona-Krise die Gefahr, ihren Wissensstand einzubüßen, weil sie nicht mehr so leicht im Alltag üben können. Das WinWin Freiwilligenzentrum hat gemeinsam mit dem KOMM Sprachtandems organisiert, um die Sprachkenntnisse aufrechtzuerhalten.

 

Wegen der Corona-Pandemie erleben viele Menschen momentan Einschränkungen in ihrem Sozialleben. Mehr als 60 Tage waren es, in denen kein geselliges Beisammensein außerhalb der eigenen Familie mehr möglich war. Das stellt eine beachtliche Anzahl an Menschen vor besondere Herausforderungen: Senior*innen, Eltern, Schüler*innen und Kinder. Auch für Menschen, die noch nicht lange in Deutschland leben, ergibt sich eine Notsituation. Durch die Pandemie gestalten sich der Spracherwerb und das Einfinden in die Gesellschaft deutlich schwieriger. Der Interkulturelle Treffpunkt "KOMM", eine Einrichtung des Ökumenischen Vereins für Flüchtlinge, Asylsuchend und Migration e.V. aus Hersbruck und das WinWin Freiwilligenzentrum haben deshalb in Kooperation eine kreative Lösung gesucht und Hilfe durch Freiwillige organisiert: Sprachtandems. Ehrenamtliche Helfer*innen engagieren sich, indem sie beispielsweise mit einem Tandem-Partner spazieren gehen. Diese sogenannten „Lehr-Gänge“ finden an der frischen Luft statt – natürlich mit dem gebotenen Abstand. Kleine Sprachübungen können daraus bestehen, nach dem Befinden des anderen zu fragen, sich nach dem Wetter oder der Familie zu erkundigen oder sich einfach die Ware in einem Schaufenster beschreiben zu lassen.

 

Die Tandems beruhen auf Freiwilligkeit und es hat nicht lange gedauert, interessierte Zugewanderte zu finden. „Viele Geflüchtete möchten verhindern, dass in der jetzigen Zeit ihre mühsam erlernten Sprachkenntnisse verloren gehen." sagt Christina Jungbauer vom KOMM. „Und es gab auch Deutsche, die in den vergangenen Monaten gar keine Kontakte mehr nach außen hatten. Deshalb haben sich sehr schnell vier Frauen gemeldet, die gerne mitmachen wollten.“ Auch das WinWin Freiwilligenzentrum hat gute Erfahrungen gemacht: Die Corona-Hilfsdatenbank, die das Freiwilligenzentrum für den Landkreis Nürnberger Land koordiniert, hat sich auch in diesem Fall bewährt. In kürzester Zeit haben sich Freiwillige gemeldet, die sich nun als Tandem-Partner engagieren. Sie helfen durch Gespräche, Gelerntes zu wiederholen und anzuwenden. Durch ihr Engagement holen sie viele Betroffene aber auch aus der sozialen Isolation.

 

Eine der Frauen, die sich gleich gemeldet haben, um mit dem Deutsch nicht aus der Übung zu kommen, ist Ainur Bakhitzhanova. Sie stammt aus Kasachstan und lebt seit zwei Jahren in Velden. Sie ist eine aktive und motivierte junge Frau, die vor Corona-Zeiten mehrmals wöchentlich einen Sprachkurs besucht hat. Auch zu Hause lernt sie weiter eifrig Deutsch. Die Tandem-Treffen helfen ihr dabei, das Sprechen in spontanen Situationen zu üben. Ainur freut sich sehr über den Kontakt zu Deutschen, den das Tandem ihr bietet, und sie hat großen Spaß am Austausch: „Dieses Treffen ist für beide Personen interessant, verbessert die Stimmung in der Corona-Situation und ich kann in das lokale Leben eintauchen. Wir lernen gegenseitig die verschiedenen Kulturen kennen. Wir haben über verschiedene Themen gesprochen, über Hobbys und über die Arbeit, und dabei die Natur und Vogelgezwitscher genossen. Am Ende haben wir einen Cappuccino getrunken und Eis gegessen“, berichtet sie.

 

Wer helfen möchte und kann, kann sich weiterhin beim WinWin Freiwilligenzentrum melden oder sich in der Corona Freiwilligen-Datenbank eintragen. Die Corona Freiwilligen-Datenbank befindet sich auf der Internetseite des Landratsamtes: landkreis.nuernberger-land.de/index.php