13.08.2020
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Landkreis Nürnberger Land

07/28/20

Virtuelle Sitzung der Gleichstellungsbeauftragten

Screenshot der virtuellen Sitzung der Gleichstellungsbeauftragten, moderiert von Anja Wirkner, der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises (4. von unten). Foto: A. Wirkner

NÜRNBERGER LAND (lra) – Die Gleichstellungsbeauftragten sind dafür zuständig, gerechte Verhältnisse zwischen den Geschlechtern herzustellen. Bei der Online-Sitzung der Landesarbeitsgemeinschaft der bayerischen Gleichstellungsstellen (LAG) besprachen sie, wie die Corona-Krise die immer noch bestehenden Ungleichverhältnisse nicht nur verdeutlicht, sondern verstärkt – zum Nachteil der Frauen.

 

Während des coronabedingten Lockdowns im Frühjahr musste man auf vieles verzichten - und merkte gleichzeitig, auf was wir als Gesellschaft nicht verzichten können: zum Beispiel auf die Möglichkeiten, einzukaufen, auf die Versorgung in Kranken- und Pflegeeinrichtungen, auf eine funktionierende Infra- und Informationsstruktur. Der Begriff „systemrelevant“ machte die Runde. Plötzlich rückten Tätigkeiten in den Fokus, in denen man weder mit einem satten Gehalt noch mit viel Prestige entlohnt wird. Und das ist leider nicht der einzige Nachteil: Während alle versuchten, sich und die Liebsten zu schützen, indem sie möglichst wenig Menschen trafen, ist es gerade in vielen der systemrelevanten Berufe schlicht nicht möglich, sich zurückzuziehen. Man muss unter Menschen, an die Kasse, zu den Kranken, wenn alles weiter funktionieren soll. In diesen Berufen, in denen man „mit Menschen zu tun hat“ – was in einer Pandemie noch einmal spannender ist als zu normalen Zeiten – arbeiten prozentual gesehen hauptsächlich Frauen. „Es gab viel Lob und Dankesbezeugungen für die Menschen und Berufe, die während des Lockdowns wortwörtlich den Laden am Laufen gehalten haben. Es wäre toll, wenn diese Anerkennung anhielte und nicht nur in netten Worten, sondern auch in höheren Löhnen, besseren Arbeitsbedingungen und mehr Respekt insgesamt ausgedrückt werden würde“, sagt Anja Wirkner, die Gleichstellungsbeauftragte des Nürnberger Landes.

 

Große Herausforderungen stellten sich in vielen Familien und Firmen, als die Einrichtungen schlossen, in denen die Kinder unterkommen, während die Eltern arbeiten gehen, die Schulen, Horte und Kitas. Spätestens jetzt wurde deutlich, wie schwer ersetzlich die Leistungen sind, die hier erbracht werden – und abermals: Das Gros des Personals in Grundschulen und in den Unterkünften für die Kleinen ist weiblich. Und dann blieben hauptsächlich die Mütter zuhause, um die Kinder zu betreuen und die Situation aufzufangen. Und wenn dort die Nerven zum Zerreißen gespannt waren, die Situation eskalierte und die Beteiligten sich wegen der Beschränkungen nicht aus dem Weg gehen konnten, stieg das Konfliktpotenzial. Wie befürchtet nahm die häusliche Gewalt zu, genaue Zahlen gibt es noch nicht, aber den Eindruck melden viele Hilfs- und Beratungsstellen. Bei häuslicher Gewalt sind hauptsächlich Frauen die Opfer.

 

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Alltag von Frauen und auf die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten, der Rückfall in die alten Rollenbilder und die Zunahme an Fällen häuslicher Gewalt waren die Hauptthemen der jährlichen Sitzung der Landesarbeitsgemeinschaft der bayerischen Gleichstellungsstellen (LAG). Wegen Corona fand sie virtuell statt, moderiert von Anja Wirkner, Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Nürnberger Land und eine von sieben Sprecherinnen der LAG. Den fachlichen Input lieferten die Gleichstellungsbeauftragten mit Analysen aus ihrem Arbeitsalltag, Trainerin Susanne Westphal vom Institut für Arbeitslust, Dr. Christiane Nischler-Leibl und Ariane Wissmeier-Unverricht vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.

 

Frau Dr. Nischler-Leibl stellte in ihren Ausführungen heraus, dass das Einsetzen für Gleichstellung nur noch wichtiger geworden ist. Die Sprecherinnen der LAG betonten schon in einem Schreiben an den bayerischen Ministerpräsidenten Söder, dass Handlungsbedarf besteht, damit die Corona-Krise nicht zu einer Krise für die Frauen wird und zu alten und einschränkenden Rollenmustern zurückführt. Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales sagte zu, Vorschläge einzubringen, um die Arbeitsbedingungen der Frauen zu verbessern, besonders in den genannten Berufen. Insbesondere sind in diesem Zusammenhang politische Lösungen zur Förderung der partnerschaftlichen Vereinbarkeit von Familie und Beruf unverzichtbar. Auch das Thema Gewaltbetroffenheit von Frauen macht die Stellung der Frau im immer noch patriarchalen System deutlich. Dies erfordert einen vermehrten Beratungsbedarf und einen Austausch mit den Hilfesystemen. „Für die Umsetzung all dieser Themen braucht es auch weiterhin eine funktionierende Gleichstellungsarbeit. Wir freuen uns, dass das Ministerium das Thema der bayernweiten Ausstattung der Gleichstellungsstellen in den neu zu erstellenden Bayerischen Gleichstellungsbericht einfließen lassen wird“, sagt Anja Wirkner.

 

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten ist ein bayernweites Bündnis von kommunalen Gleichstellungs- und Frauenbeauftragten aus Städten, Gemeinden und sonstigen kommunalen Gebietskörperschaften und vertritt derzeit über 100 Mitglieder.