31.10.2020
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Landkreis Nürnberger Land

10/02/20

Netzwerk Gleichstellung traf sich

Gleichstellungsbeauftragte Anja Wirkner begrüßt die Teilnehmenden des Treffens des Netzwerks Gleichstellung. Foto: Rolf List

NÜRNBERGER LAND (lra) – Corona-bedingt mit Abstand und mit knapp einem halben Jahr Verzögerung traf sich auf Einladung von Anja Wirkner, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Nürnberger Land, das Netzwerk Gleichstellung. Im Mittelpunkt des zweiten Treffens standen der Austausch über die Erfahrungen in der Corona-Zeit sowie Berichte über die Arbeit des Frauennotrufs und der Gleichstellungsbeauftragten.

 

Hat Corona die Lage der Frauen hinsichtlich ihrer Gleichstellung mit Männern in der Gesellschaft eher verbessert oder eher verringert? Das war die Frage, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Netzwerkstreffens – einschließlich Landrat Armin Kroder – wohl am meisten interessierte. Anja Wirkner konstatierte aufgrund ihrer Erfahrungen als Gleichstellungsbeauftragte: „Corona hat die Rückkehr zur traditionellen Arbeitsteilung in Partnerschaften und Ehen befördert. Home-Office und Home-Schooling waren während des Lockdowns vor allem Aufgaben, die die Frauen bewältigten.“

Darüber hinaus waren und sind Frauen von Corona besonders betroffen, weil sie in systemrelevanten Berufen – in der Pflege, im Verkauf und in den Kitas – arbeiten und weil sie häufiger als Männer Minijobs ausüben. Ferner zeigt eine Studie der Technischen Universität München eine Zunahme der häuslichen Gewalt während der Corona-Beschränkungen. Von einer leichten Steigerung der Fallzahlen im Jugendamt wusste auch Landrat Armin Kroder zu berichten. Wichtig sei, dass die Firmen familienfreundlich agieren, so dass Eltern Familie und Beruf unter einen Hut bekommen können, waren sich die Teilnehmenden einig. Darüber hinaus müssten Erzieher/-innen, Verkäufer/-innen und Pflegekräfte besser bezahlt und ihre Tätigkeit von der Gesellschaft mehr wertgeschätzt werden, forderten sie.

 

Hedwig und Anja Hacker, Vorsitzende und stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Hilfe für Frauen und Kinder in Not Nürnberger Land e. V.“ referierten – unter anderem mit einem Filmbeitrag des Südwestrundfunks – über die Arbeit des Vereins, der von 18 der 27 landkreisangehörigen Gemeinden finanziell unterstützt wird. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum sei das zentrale Problem für Frauen, die ihren Partner wegen Gewalt verlassen wollen, schilderte Hedwig Hacker. Anhand von anonymen Beispielen aus der täglichen Praxis berichtete Hacker über die Arbeit des Vereins, die sich nicht gegen Männer richtet, sondern aus sozialer Verantwortung für Frauen und Kinder gestaltet wird. „Wir wollen ein Zeichen setzen und Menschen ermutigen, sich nicht mit Gewalt abzufinden, sondern einen aktiven Schritt zu deren Vermeidung und Bekämpfung zu tun“, erläuterte Hacker. „Zum Glück wird heute über die Gewalt in unserer Gesellschaft mehr gesprochen und bleibt nicht mehr so im Dunkeln. Frauen suchen aktiv nach Unterstützung und Hilfe, um sich aus einer Gewaltbeziehung zu lösen.“ Der Verein bietet ihnen hierfür als Anlauf-, Vermittlungs- und Kontaktstelle Unterstützung und Beistand.

 

Gleichstellungsbeauftragte Anja Wirkner, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Dienstjubiläum am Amt feiert, zeigte ihre Handlungsfelder der internen und externen Gleichstellungsarbeit. Sie ist zum einen für die Mitarbeitenden im Landratsamt und zum anderen für die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis zuständig. Viele Angebot mussten aufgrund von Corona virtuell ablaufen, zum Beispiel der Kontakthaltetag zu den beurlaubten Mitarbeitenden oder der virtuelle Unternehmerinnentag Ende September. Anja Wirkner hofft, dass auch die nächste Sitzung des Netzwerkes Gleichstellung wieder in Präsenz stattfinden kann. „Denn Netzwerken“, so konstatiert sie, „ist eine wichtige Grundlage der Gleichstellungsarbeit. Wenn auch Sie im Netzwerk Gleichstellung mitwirken möchten, melden Sie sich unter gleichstellung@nuernberger-land.de an.“