06.03.2021
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Landkreis Nürnberger Land

02/16/21

Netzwerken geht auch digital – Gleichstellungs-Netzwerk trifft sich per Videokonferenz

Gleichstellungsbeauftragte Anja Wirkner moderiert das Netzwerk Gleichstellung. Hier im Gespräch mit Annette Zimmermann (Kreisentwicklung/Leitung Bündnis für Familie). Fotomontage: Landratsamt Nürnberger Land

NÜRNBERGER LAND (lra) – Unter dem Motto „Gemeinsam nach vorne schauen!“ lud Anja Wirkner, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Nürnberger Land, Vertreter und Vertreterinnen aus Verbänden, Organisationen und Politik zur Videokonferenz ein. „Wir wollen uns über Ihre geplanten Projekte und Pläne für 2021 austauschen, Ideen sammeln und natürlich vernetzen und gegenseitig unterstützen“, so Wirkner zu Beginn des 90-minütigen Netzwerktreffens.

 

Ein wichtiges Ereignis im Jahr 2021 ist der 40. Geburtstag der Erziehungs- und Jugendberatungsstelle Nürnberger Land unter Trägerschaft der Diakonie Nürnberger Land und des Caritasverbands Nürnberger Land. Dabei möchten die Mitarbeiter/-innnen der Beratungsstelle sich und ihrer Arbeitsauffassung treu bleiben und den festlichen Rahmen vor allem für ihre Zielgruppe – Familien und Eltern – gestalten. So entstand die Idee einer ganzjährigen Vortrags- und Veranstaltungsreihe, die angepasst an die aktuelle Pandemieentwicklung auch virtuell stattfinden kann. Themen der Jubiläums-Veranstaltungsreihe 2021, die Ende Februar beginnen wird, werden unter anderem Pubertät, Mediennutzung im KiTa- und Grundschulalter, ADHS, Wut und Trotz sowie Trennung/Scheidung sein. Entsprechende Veranstaltungshinweise werden immer der aktuellen Tagespresse zu entnehmen sein.

 

Das Bündnis für Familie wird 2021 den Familienwegweiser neu aufgelegen. Dieser wird auch über die Willkommenstaschen für Eltern mit Neugeborenen, welche von den Kommunen des Landkreises bestellt werden können, verteilt.

Ein präventives Angebot für Eltern ist Elterntalk. Jeden Dienstag von 19.30 bis 20.15 Uhr können sich Eltern zum Thema Medienkonsum und Suchtprävention online austauschen. Auch die Babysitter Ausbildung und die Ausbildung zum Pflegelotsen ist für die zweite Jahreshälfte geplant.

 

Eine Herzensangelegenheit ist das Thema Frauen und Altersvorsorge für Gleichstellungsbeauftragte Anja Wirkner auch im Jahr 2021: „Ich finde es enorm wichtig, dass Frauen für das Alter vorsorgen.“ Deshalb organisiert sie gemeinsam mit dem Bündnis für Familie, den Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt von Jobcenter Nürnberger Land und Agentur für Arbeit, der Gleichstellungsbeauftragten der Rummelsberger Diakonie und der Stadtbibliothek Röthenbach am 8. März, dem Internationalen Frauentag, von 19.00 bis 20.30 Uhr einen kostenfreien Vortrag zu diesem Thema. Referentin ist Renate Fritz von Frau und Geld. Gerne kann man sich schon jetzt anmelden über: gleichstellung@nuernberger-land.de.

 

Natürlich wurde in der Videokonferenz auch die Corona-Krise aus der Gleichstellungsperspektive betrachtet. In der Pandemie verschärfen sich Probleme; sie werden wie unter einem Brennglas deutlicher sichtbar. Insbesondere bewegte die Teilnehmenden das Thema häusliche und sexualisierte Gewalt. Dies bestätigten Andrea Hopperdietzel, Leiterin des Frauenhauses Schwabach, und Hedwig Hacker, Vorsitzende des Frauennotrufs. Durch die Corona-Maßnahmen sind viele Familien und Partnerschaften aktuell stark belastet, berichtete Hedwig Hacker. „Wir hatten 2020 weit mehr Anrufe von Frauen mit Kindern und Jugendlichen, die in dieser Zeit körperliche wie psychische Gewalt erleben mussten. Kinder sind solch einer Situation schutzlos ausgeliefert. Dieses Erleben kann nicht ohne Folgen für ihre Entwicklung bleiben. Sie sind daher auf besondere Unterstützung angewiesen.“

 

Das gesellschaftliche Tabu ist inzwischen deutlich brüchiger geworden, konstatierte Hacker: „Frauen sprechen über ihr Erleben, suchen aktiv vermehrt Hilfe und Unterstützung, um sich aus einer Gewaltbeziehung zu lösen. Wir schenken der Frau Glauben. Deshalb ist die Wertschätzung gegenüber Rat suchenden Frauen eine der wichtigsten Grundlagen in der Beratungsarbeit unseres Vereins. Unsere Statistik zeigt, dass sich von Jahr zu Jahr die Fallzahlen erhöhen – was kein Grund zur Freude ist, denn jedes Geschehen bedeutet ein Schicksal mehr, bedeutet mehr Gewalt, Grausamkeit und Unterdrückung. Im Jahr 2020 waren es 187 Hilferufe von Betroffenen mit über 780 Hilfeleistungen.“

 

Der Weg in ein gewaltfreies Leben ist mühevoll und steinig. Die Schlüsselwörter sind Schutz, Sicherheit und Unterstützung. Das wiedergefundene Selbstvertrauen und die neu gewonnene Sicherheit können für die Mütter und ihre Kinder Wege eröffnen, bestätigte Andrea Hopperdietzel, Leiterin des Frauenhauses und der Interventionsstelle Schwabach. Diese ist für die Polizeiinspektionen des Landkreises Nürnberger Land und des Landkreises Roth sowie der Stadt Weißenburg und der Stadt Schwabach zuständig. Mit einer pro-aktiven Kontaktaufnahme werden gewaltbetroffene Frauen erreicht, die von sich aus nicht selbst Unterstützung in Frauenhäusern und Beratungsstellen gesucht hätten. Innerhalb von drei Werktagen erfolgt die Kontaktaufnahme, die bis zu drei Beratungsgespräche umfassen kann. Es erhalten mehr von Gewalt betroffene Frauen frühzeitige Hilfe. Die pro-aktive Beratung ist Bestandteil der Intervention gegen häusliche Gewalt. Sie verbindet kurzfristige Interventionen der Polizei (Einsatz, Wegweisung, usw.) mit mittelfristig wirkenden Schutzmöglichkeiten und Hilfen (z. B. nach dem Gewaltschutzgesetz). Eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei ist Voraussetzung.

 

2020 stiegen die Fallzahlen auf 195 Meldungen an. Bereits 2019 (176 Fälle) war die Schwabacher Interventionsstelle die am stärksten nachgefragte Interventionsstelle in Bayern. „Wir gehen davon aus, dass die Steigerung mit Corona in Verbindung steht“, sagt Andrea Hopperdietzel. „Viele Frauen berichten von Eskalation und Gewaltausbrüchen, da Kurzarbeit und Homeschooling die Familie belastet. Räumliche Enge, finanzielle Schwierigkeiten, Überforderung, Zukunftsängste und Alkoholkonsum verschlimmern die Situation.“

 

Einig waren sich alle Netzwerk-Teilnehmenden, dass ein Online-Angebot das Treffen in Präsenz nicht ersetzt, aber zumindest eine Möglichkeit bietet, um in dieser Zeit in Kontakt zu bleiben.