27.11.2021
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Landkreis Nürnberger Land

11/03/21

Schuldner- und Insolvenzberatung Thema im Ausschuss für Gesundheit und Soziales

Symbolfoto: Landratsamt Nürnberger Land
Symbolfoto: Landratsamt Nürnberger Land

NÜRNBERGER LAND (lra) – Im Landkreis Nürnberger Land gibt es verhältnismäßig wenig überschuldete Privathaushalte: Die Verschuldungsquote liegt bei 6,35 Prozent. Der Bundesdurchschnitt liegt bei knapp zehn Prozent, in der Stadt Nürnberg sogar bei etwa zwölf Prozent. Diese Zahlen nannte der Leiter des Instituts für Soziale und Kulturelle Arbeit Nürnberg (ISKA), Michael Weinhold, den Mitgliedern des Ausschusses für Gesundheit und Soziales. ISKA betreibt im Auftrag des Landkreises die Insolvenz- und Schuldnerberatung im Nürnberger Land.

 

Obwohl der Landkreis bei der Verschuldungsquote im bayernweiten Vergleich in den Top Ten rangiert und damit überaus gut abschneidet, bedeutet dies dennoch, dass im Nürnberger Land etwa 9.000 bis 10.000 Personen von Überschuldung betroffen sind – „zu viele“, wie Landrat Armin Kroder in der Sitzung anmerkte und sich darin mit allen Ausschussmitgliedern einig war.

 

Die Zahl der Insolvenzverfahren hat sich seit 2015 halbiert, berichtete Weinhold weiter. Auch im Corona-Jahr 2020 gingen die Zahlen zurück: Es gab lediglich 17 Insolvenzverfahren. Allein im ersten Halbjahr 2019 waren es beispielsweise 34. Neben Corona-Insolvenz-Regelungen (Aussetzung der Antragspflicht) spielte für den Rückgang der Zahlen im letzten Jahr auch eine Gesetzesänderung eine Rolle: Das Insolvenzverfahren wurde – im Einklang mit EU-Recht –von sechs auf drei Jahre verkürzt. Viele Überschuldete warteten mit dem Insolvenzantrag, um die günstigeren Bedingungen – die rückwirkend zum 1. Oktober 2020 gelten – zu bekommen. Dadurch würden die Zahlen bald wieder steigen, erwartet Weinhold. Der Rückstau müsse nun abgearbeitet werden.

 

Am 1. Dezember tritt das neue Gesetz über das Pfändungsschutzkonto in Kraft, das ebenfalls Erleichterungen für Schuldner bringt, berichtete Weinhold weiter. Der Grundpfändungsfreibetrag kann erhöht werden um Freibeträge für Transferleistungen, die man für andere Personen empfängt. Ferner soll auch die Strom-Gas-Grundversorgerverordnung an EU-Recht angepasst werden. Ziel ist, die Zahl der Energiesperren bei säumigen Zahlern zu verringern. Stattdessen sollen Vereinbarungen geschlossen werden zwischen dem Schuldner, dem Jobcenter bzw. dem Sozialhilfeträger und den Energielieferanten. Die Schuldnerberatung wird dabei eine wesentliche Rolle spielen. Der Gesetzentwurf liegt momentan beim Bundesrat, der dagegen Einspruch erhoben hat. Weinhold rechnet aber mit der Verabschiedung.

 

In der Diskussion waren sich die Ausschussmitglieder einig, dass es keine Schande ist, sich bei Überschuldung – am besten schon, bevor es dazu kommt – Hilfe zu holen. Das Thema dürfe nicht länger mehr ein Stigma sein.

 

ISKA sucht gegenwärtig nach einer festen Außenstelle im Nürnberger Land – im Gespräch sind beispielsweise das Landratsamtsgebäude in Lauf sowie die Außenstellen in Hersbruck und Altdorf. Darüber hinaus gibt es Überlegungen zu einer aufsuchenden Unterstützung, damit ältere und wenig mobile Menschen zu Hause beraten werden können.