23.05.2022
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Landkreis Nürnberger Land

Zeit für Veränderung bei Heckenpflanzen: Welche Arten ökologisch wertvoll sind

Der heimische Schneeball mit seinen knallroten Früchten ist nicht nur ein Hingucker, sondern auch ökologisch wertvoller als manch andere Heckenpflanzen. Foto: Renner

NÜRNBERGER LAND (lra) – Heckenpflanzen gliedern einen Garten optisch und bieten Sichtschutz und Privatsphäre. Aus ökologischer Perspektive haben sie allerdings viel wichtigere Anforderungen zu erfüllen. Warum Hainbuche, Feldahorn oder Holunder diesen Aufgaben gewachsen sind, Kirschlorbeer, Thuja und Bambus aber nicht, erklärt die Kreisfachberatung Gartenbau und Landespflege am Landratsamt Nürnberger Land.

 

Der Artenrückgang bei Insekten schreitet seit Beginn der ersten Studien zu diesem Thema rasant voran. Die anerkannte „Krefelder Studie“, siehe auch www.nabu.de/news/2017/10/23291.html, verzeichnet einen Rückgang der Insektenbiomasse um erschreckende 76% in den letzten 30 Jahren, mit gravierenden Folgen für die gesamte Nahrungskette. Dieses drastische Insektensterben ist unter anderem auf mangelndes Nahrungsangebot und wegfallenden Lebensraum zurückzuführen. Die gute Nachricht: Hier können alle helfen, die einen Garten besitzen und ökologische wertvolle Hecken anlegen. Denn diese bieten Insekten und Vögeln das so dringend nötige Angebot an Nahrung und Lebensraum.

 

Beliebt, aber weder heimisch noch hilfreich: Kirschlorbeer, Thuja, Bambus

Der vielgenutzte Kirschlorbeer ist in letzter Zeit medial unter Beschuss geraten, von „Verbrechen an der Natur“ und „ökologischer Pest“ war zu lesen – und er sollte tatsächlich nicht die erste Wahl bei der Gartengestaltung sein. Zwar bieten seine Blüten ein kleines Nahrungsangebot zwischen April und Mai, etwa für Hummeln und einige Wildbienenarten, aber wenn die Lorbeerhecke Ende Februar geschnitten wird, hat die Pflanze gar keine Zeit, neue Knospen zu bilden und blüht gar nicht erst. Die Früchte des Kirschlorbeers sind für kleinere Singvögel wertlos, nur Amsel und Eichelhäher greifen gerne zu. Des Weiteren ist die unkontrollierte Ausbreitung des Kirschlorbeers problematisch: Durch Vogelkot oder Gartenabfälle verbreitet sich die invasive Pflanzenart und verdrängt heimische Arten in den Wäldern.

Der für Menschen und Tiere teils giftigen Thuja fehlen insektenfreundliche Eigenschaften gänzlich. Regenwürmer machen einen großen Bogen um den Wurzelbereich der Thuja und selbst die Kompostierung der Pflanzenreste gelingt zersetzenden Organismen nur schwer.

Inzwischen sieht man auch viel Bambus in deutschen Gärten. Die getrockneten Stäbe eignen sich zwar sich hervorragend zum Bau von Insektenhotels, aber die schlanken Halme aus der Familie der Gräser bietet Insekten und Vögeln keine Nahrung.

 

Heimische, insektenfreundliche Alternativen: Eibe, Liguster, Hainbuche, Feldahorn und viele mehr

Als immergrüne Alternative für eine blickdichte Hecke bietet sich die heimische Eibe an. Als zweihäusige Pflanze stellen die weiblichen Exemplare Samen für Vögel, die männlichen Vertreter Pollen für Insekten zur Verfügung. Die Eibe ist schnittverträglich und robust, wächst relativ langsam und gedeiht auch in schattigen Bereichen. Die Eibe ist in allen Pflanzenteilen sehr giftig, nur das Fruchtfleisch der beerenartigen Ringwulst ist ungiftig, nicht aber der Kern.

Auch der Liguster, oft als halb-immergrün bezeichnet, kann zur blickdichten Hecke herangezogen werden. Nur in besonders strengen Wintern verliert er seine Blätter. Die in dichten Rispen stehenden Blüten dienen als Nektarquelle für Insekten, außerdem ist er als Nahrungspflanze für einige Nachtfalterarten interessant.

Mit etwas Glück, sprich einem nicht allzu stürmischen Winter, kann ein ganzjähriger Sichtschutz auch mit einer Hainbuchenhecke erreicht werden. Diese behält ihr Herbstlaub über den Winter oft bis zum Neuaustrieb im Frühjahr. Darüber hinaus ist die Hainbuche bestens schnittverträglich, stellt geringe Bodenansprüche und bietet frühe Pollen für Insekten zwischen April und Mai. Der Feldahorn eignet sich ebenfalls hervorragend als Schnitthecke, lockt Insekten sowohl mit Nektar als auch Pollen in Mai und Juni und ist für Vögel durch seine Spaltfrüchte interessant.

Wer mehr Platz zur Verfügung hat, oder sich bewusst entscheidet, der Hecke mehr Raum zu geben, sollte eine freiwachsende Hecke anlegen. Diese darf sich anders als die Schnitthecke frei entfalten und kommt somit regelmäßig zur Blüte. Hier kann in puncto heimische, insektenfreundliche Pflanzen aus den Vollen geschöpft werden: Pfaffenhütchen, gewöhnlicher Schneeball, Kornelkirsche, Hartriegel, Weißdorn, Schlehe, Mispel, Holunder, Wildrosen – diese und viele weitere Gehölze bieten der Tierwelt Nahrungs- und Lebensraum im heimischen Garten.

 

Wer eine Hecke besitzt und besonders, wer eine Hecke neu anlegt, steht in der Verantwortung, nicht nur Sichtschutz, sondern auch Lebensraum zu schaffen. Ökologisch nutzlose Exoten wie die Thuja sind schlicht nicht mehr zeitgemäß und Alternativen gibt es reichlich.

 

Weitere Auskünfte zur Pflanzung von Gehölzen, Sträuchern und Stauden gibt die Kreisfachberatung Gartenbau und Landespflege am Landratsamt Nürnberger Land, erreichbar unter der Telefonnummer 09123 950 6531 oder via Mail unter gartenbau@nuernberger-land.de.